Das letzte Wochenende bin ich dem Ruf des universitären Kanu-Clubs an ein Paddel-Wochenende gefolgt. Ziel dieser dreitägigen Reise war der Etive River nahe des Glencoe Passes auf ca. 1200 M.ü.M. im westlichen Schottland. Vor der Abreise galt es, das ganze Kanu-Material für rund 25 Personen zusammenzutragen und auf einen Kleinbus aufzuladen. Nach gut einer Stunde waren wir für das kommende Abenteuer bereit. Gut gelaunt fuhren wir in der herrlichen Abenddämmerung dem Sonnenuntergang entgegen. Auf halber Strecke hielten wir kurz für einen Pit-stopp, um die leeren Mägen zu füllen. Gegen 20.00 Uhr trafen wir schliesslich auf dem Campingplatz ein. Dieser war kein eigentlicher Platz im engeren Sinne, sondern vielmehr eine frei liegende Wiese, die offenbar niemand anderswärtig benutzte. Gleich nebenan fand sich ein feines Hotel, das King's House, das v.a. trendige Wanderer beherbergte.

Als erster mussten die Zelte ausgepackt und aufgestellt werden, was angesichts des moorigen Untergrunds nicht allzu schwierig war. Danach ging's gleich auf eine Besichtigung der Kanu-Tour. Der Etive zeigte sich von seiner freundlichen Seite und trug einen für Anfänger optimalen Wasserstand. Nichtsdestotrotz war mir beim Anblick der einen oder andern Stromschwelle etwas mulmig zu Mute... Den Abend verbrachten wir dann alle gemeinsam im Pub des King's House, voller Vorfreude ging es dann zeitig zu Bett.
Der nächste Morgen begann erst einmal mit einem zünftigen Frühstück. Brot und Speck, den wir mitgebracht hatten, wurde geröstet bzw. gebrachten, sodass sich niemand über eine mangelhafte Ernährung beklagen durfte. Mit dem Bus fuhren wir zum Einstieg, das Wetter etwas trüb, aber noch trocken. Bald sollte sich zeigen, worin der Unterschied zwischen Profi- und Amateur-Kanute besteht: Alle anderen konnten auf beste - sprich absolut wasserdichte - Outdoorkleider mit Neopren-Anzug zählen. Ich musste mich mit einem langarmigen T-Shirt und kurzen Hosen begnügen. Zum Glück hatte ich mir im Klubhaus noch einen Überzug und eine Weste gekrallt... Zum Nachdenken blieb dann keine grosse Zeit mehr. Schnell fand ich mich im Wasser wieder und der ersten Stromschnell gegenüber.
Die Anweisungen meiner Kollegen lauteten kurz und knapp: "Den anderen nachfahren und paddeln, paddeln, paddeln - und sich keine Gedanken machen!" Mit dieser Devise funktionierte die ganze Sache sehr gut, wenn auch anfangs noch etwas unsicher. Ich fand meinen Weg und hatte den ganzen Tag keinen einzigen Taucher. Zugegeben, den grössten Wasserfall liess ich aus... Andererseits war ich froh, dass ich nicht zum voraus wusste, wie hoch die Stromschnellen wirklich waren.

Leider kann ich noch keine Fotos von mir ins Netz stellen. Dies werde ich nachholen, sobald ich sie von meinen Kanu-Kollegen erhalten habe.
Nach rund sechs Stunden sind wir alle gesund und munter wieder in unser Base-Camp zurückgekehrt. Zwar froren wir alle mittlerweile, weil uns das Wetterglück verlassen hatte. Es regnete in Strömen. Da kam uns das Pub in der Nähe zu gute, wo wir uns stärken und auf Besserung warten konnten. Gegen Abend hellte es tatsächlich auf und wir konnten unser Barbecue wie geplant durchführen. Weil später wieder Regen einsetzte, schwoll der Etitve bis am folgenden Tag auf ein beachtliches Niveau an. Dieses lies nur noch ein Paddeln für die ausgefuchsten Kanuten unter uns zu. D.h. es wagten sich nur noch gut die Hälfte der Teilnehmer ins Wasser. Die ausgewöhnlich vielen Taucher zeugten von nicht ganz einfachen Bedingungen. Alle Stürze verliefen aber glimpflich und wir kehrten wohlbehalten wieder nach Glasgow.
Alles in allem war es ein riesen Erlebnis!! Ich kann allen nur empfehlen, sich nach Möglichkeiten dem Kanu-Sport zu widmen. Wer einen abwechslungsreichen Sport ausüben will, wird sich mit Paddel und Boot wohl fühlen.
Liebe Grüsse
Curdin